Andreas-Hofer-Straße

Stadtteil Wilten

März 2017 © Thomas Kleissl 

Andreas-Hofer-Straße 3

In der Andreas-Hofer-Straße 3 bewohnte das Ehepaar Steiner eine Wohnung im ersten Stock. Der 69-jährige Martin Steiner erlitt beim Überfall Verletzungen am Fuß und Kopf sowie an den Rippen, auch seine 65-jährige Ehefrau Rosa Steiner, geborene Brüll wurde nicht verschont.


März 2017 © Thomas Kleissl 

Andreas-Hofer-Straße 13

In der Andreas-Hofer-Straße 13, im ersten Stock wohnte Hugo Schindler mit seiner Frau Edith, geborene Roth. Eine Gruppe von NSKK-Männern drang gewaltvoll in die Wohnung ein, prügelte Hugo Schindler blutig und verwüstete die Wohnung. Dr. Otto Biendl wohnte im gleichen Gebäude im 3. Stock. Er verarztete Hugo Schindler not und operierte ihn am nächsten Tag im Sanatorium Kettenbrücke.

Die vom Vater gegründete Firma „Erste Tiroler Fruchtsaftpresserei, Landesproduktenbrennerei und Likörfabrik Samuel Schindler“ hatte ihren Firmensitz bis 1938 im Erdgeschoß der Andreas-Hofer-Straße 13 und betrieb Filialen in der Seilergasse und Karmelitergasse, wo u.a. Marmelade hergestellt wurde. 1925 übernahm Hugo Schindler den Betrieb von seinem Vater und führte zusammen mit seinem Bruder Erich auch das berühmte Konditorei-Café Schindler in der Maria-Theresien-Straße 29. 1938 wurde die Brennerei von Eward Jäger und das Café von SS-Sturmführer Franz Hiebl „arisiert“. Die Villa Schindler am Rennweg 10 wurde von Gauleiter Franz Hofer einkassiert.

Cafe Schindler, Maria-Theresien-Strasse 31, 1938

Café Schindler, Maria-Theresien-Straße 29, 15. April 1938 (a)


Andreas-Hofer-Strasse_29

November 2008 © Thomas Kleissl

Andreas-Hofer-Straße 29

In der Andreas-Hofer-Straße 29 wohnte der Witwer Arthur Goldenberg mit seinem jüngeren Sohn Fritz. In jener Nacht drangen bis zu sechs Täter in die Wohnung ein und schlugen ihm mehrere Zähne aus.

Der ältere Sohn Alfred konnte im Herbst 1938 nach Palästina flüchten, während sich seine Frau Rosa, geb. Gutstein am 02. November durch einen Sprung aus dem Fenster das Leben nahm. Fritz und sein Vater erreichten 1939 Palästina.

Das Ehepaar Julius und Emma Pasch, geb. Schneider und zwei ihrer Kinder – Ruth und Gerda, wurden Anfang November aus deren Wohnung in der Anichstraße 1 vertrieben und vorübergehend bei Anna Seidl und Adolf Neumann, in die Andreas-Hofer-Straße 29 einquartiert. Dort wurden sie Zeugen des Selbstmords von Rosa Goldenberg und waren beim Überfall der SS in der Pogromnacht zugegen, bei dem das ältere Paar schwer geschlagen wurde. Die Täter übersahen dabei das Ehepaar Pasch und verschonten deren Töchter.

Adolf Neumann wurde nach Polen deportiert und dort ermordet, während Anna Seidl das KZ-Theresienstadt überlebte und 1945 wieder nach Innsbruck kam. Anna Seidl`s Sohn Willi gelangte im März 1938 nach Wien und flüchtete im Februar 1939 nach Palästina, wo er 1939 bei einem Minenunfall starb.


Andreas-Hofer-Strasse 40

November 2008 © Thomas Kleissl

Andreas-Hofer-Straße 40

Flora Bauer, geb. Gold, Witwe von Julius Bauer und ihr Sohn Stefan wohnten in der Andreas-Hofer-Straße 40, wo beide in der Nacht überfallen und verletzt wurden. Wilhelm Bauer, der zweite Sohn von Flora Bauer wohnte mit seiner Familie in der Gänsbacherstraße 5 und wurde in jener Nacht ermordet.

Flora, Stefan, Wilhelm und Julis Bauer 1916 (b)

Flora Bauer wurde am 13. April 1942 ins KZ Theresienstadt deportiert und am 26. September 1942 im Vernichtungslager Maly Trostinec umgebracht. Stefan Bauer – später Bower – wanderte 1939 von Wien über Genua nach Neuseeland aus, wo er ein Bekleidungsgeschäft gründete, welches sein Sohn Ron Bower übernahm.

Vom 13. Jänner 2002 stammt folgender Gästebucheintrag von Ron Bower:

„Incredible site, I knew some of the details about this, but to see my family names there, was very emotional. If anybody has any informations that can help me in my family reseach, I would appreciate it very much.“ Ron Bower


update 24.10.2018

Hinweis:

Im Juni 2006 besuchte Ron Bower mit seiner Frau Sandra erstmals Innsbruck. Zusammen mit Ingeborg Brüll besichtigten wir das Haus in der Gänsbacherstraße, wo sein Onkel Wilhelm ermordet wurde, das Wohnhaus seines Vaters Stefan in der Andreas-Hofer-Straße sowie den Jüdischen Friedhof.

Literatur:

Martin Achrainer < Das Pogrom-Denkmal > in: Gabriele Rath / Andrea Sommerauer / Martha Verdorfer (Hg.), „Bozen Innsbruck – zeitgeschichtliche stadtrundgänge“, Folio Verlag 2000, S 85 – 89

Ernst Oppenheim < To Remember Me By - First Crusade Through Holocaust - Facts, Fragments, Lore and Legends > Nobis Press

Horst Schreiber < Jüdische Geschäfte in Innsbruck - Eine Spurensuche, Projekt des Abendgymnasiums Innsbruck > Tiroler Studien zu Geschichte und Politik 1, herausgegeben von der Michael-Gaismair-Gesellschaft, StudienVerlag 2001, S 29-31

Gad Hugo Sella < Die Juden Tirols - Ihr Leben und Schicksal > Israel 1979, S 86-88

Maria Luise Stainer < "Ich hab´mich gefühlt wie bei der Vertreibung aus dem Paradies" - Berichte Vertriebener aus Tirol > in: Thomas Albrich (Hg.), „Wir lebten wie sie…“. Jüdische Lebensgeschichten aus Tirol und Vorarlberg, Haymon-Verlag Innsbruck 1999, S. 355-372

Bildnachweis:

(a) Privatbesitz Ron Bower

(b) Café Schindler – © Niko Hofinger

Quellen:

Ron Bower – diverse Emails, Besuch Innsbruck 2006

Valerie Neal – Email November 2007

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