Projekt

Entstehung

Im Kapitel „Tirol und die Juden“ von Gretl Köfler in dem 1988 im Haymon Verlag erschienenen Buch < Tirol und der Anschluss > las ich 1998 erstmals über die Ereignisse der „Reichskristallnacht“ vom 9./10. November 1938 in Innsbruck. Mir vertraute Orte bzw. Stadtteile bekamen plötzlich eine historische Bedeutung bzw. ein anderes Gesicht. 

Ich bin Jahrgang 1967, römisch-katholisch aufgewachsen in Jenbach und wohnte in unmittelbarer Nachbarschaft zum „Reitlinger-Haus“. Ing. Friedrich Reitlinger und seine Tochter Johanna begingen im März 1938 Selbstmord, nachdem sie von Nationalsozialisten in ihrem Haus festgehalten wurden. Er war Besitzer der „Jenbacher Berg- und Hüttenwerke“, Präsident der Tiroler Industriellenvereinigung, Vizepräsident der Tiroler Wirtschaftskammer und Gründer eines Rotary Clubs in Innsbruck. Über das Leben von Ing. Friedrich Reitlinger und seiner Tochter wurde im Geschichtsunterrricht geschwiegen – damals vermittelte Geschichte hatte so gut wie keinen Regionalbezug. 

Weitere Aspekte für die Entstehung dieses Projekts waren ein nachhaltiger Besuch einer Aufführung von Joshua Sobol´s Theaterstück < Ghetto > im Tiroler Landestheater im Dezember 1998 unter der Regie von Dietrich W. Hübsch sowie meine damals beginnende Auseinandersetzung mit dem Medium Internet. So entstand langsam die Idee, die Orte der Schauplätze des Novemberpogroms 1938 zu fotografieren und die Ereignisse kurz zu beschreiben. Im Jänner 2000 wurde die erste Version im Internet veröffentlicht und seitdem von Zeit zu Zeit erweitert. 

Da ich kein Historiker bin, habe ich nicht den Anspruch eine wissenschaftliche Arbeit zu präsentieren, sondern es geht mir um den Prozess des Sichtbarmachens und das Schaffen eines Ortes bzw. Raumes der Erinnerung. 

Aufgrund der positiven Reaktionen v.a. von überlebenden Nachkommen habe ich begonnen, mir zur Verfügung gestellte Fotos der jüdischen Familienmitglieder in das Projekt zu integrieren.

Die Gestaltung, Betreuung und Finanzierung der Homepage obliegt meiner Person. 2013 wurde meine Homepage von der Stadt Innsbruck einmalig mit einer Subvention bedacht.

Die Fotos der Schauplätze stammen von Thomas Kleissl, entstanden seit April 1999 und werden immer wieder erneuert.

Die Übersetzungen ins Englische erfolgten von Mag. Gerhard Buzas und Johanna Dehler

Danksagung

Für die Unterstützung meines Projektes möchte ich mich bei folgenden Personen bzw. Institutionen bedanken:

Thomas Kleissl für die Fotos.

Mag. Gerhard Buzas und Johanna Dehler für die Übersetzungen.

Mag. Thomas Lipschütz und Univ. Prof. Dr. Esther Fritsch von der Israelitisches Kultusgemeinde Innsbruck

Ingrid Böhler und Wolfgang Meixner vom Institut für Zeitgeschichte Innsbruck

Andreas Maislinger

Jochewed Hochmann-Schwarz

Amtsrätin Josefine Justic vom Innsbrucker Stadtarchiv/Stadtmuseum für die Fotos der jüdischen Geschäfte

Dr. Wilfried Beimrohr vom Tiroler Landesarchiv

Daniel Hope

Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DOEW)

Jüdisches Museum Hohenems

Leo Baeck Institute

Matthias Breit, Johannes Breit

Hanne Mitterstieler.

Meine besondere Anerkennung und mein Dank gelten 

Joseph Adler – Enkel von Josef Adler

Richard B. Benson – Enkel von Richard Berger bzw. Sohn von Frederik Benson

Ron Bower – Sohn von Stefan Bauer

Ingeborg Brüll – Tochter von Josef und Antonie Brüll

Abraham Gafni

Katarina Hohenberg-Stahre

Andy und Peter Mikkelsen – Ehemann und Sohn von Ilse Adler

Valerie Neal

Jaquline Nestler

Horst Schreiber

Irmgard Bibermann

sowie

Wolfgang Wallner und

Wolfgang Feil,

die mich mit Informationen und/bzw. privaten Fotografien ihrer Familien und Verwandten bei meinem Projekt unterstützen.

Ich möchte mich auf diesem Wege auch bei all jenen HistorikerInnen bedanken, deren Publikationen für dieses Projekt herangezogen werden und ohne deren wertvolle Arbeit dieses Projekt nie möglich wäre.

Manfred Mühlmann Innsbruck 2000 – 2018


Literatur:

Wolfram Dornik < Erinnerungskulturen im Cyberspace - Eine Bestandsaufnahme österreichischer Websites zu Nationalsozialismus und Holocaust > trafo verlag dr. wolfgang weist 2004

Gretl Köfler < Die "Reichskristallnacht" > in: Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (Hg.) – Widerstand und Verfolgung in Tirol 1934 bis 1945 – Österreichischer Bundesverlag Wien 1984, Band 1, S 448-462

Wolfgang Meixner < Ing. Friedrich Reitlinger (1877 - 1938). Industrieller und Wirtschaftsfunktionär in Tirol zwischen Heimwehr und Nationalsozialismus > in: Zeitgeschichte (2002), Heft 4 (15 Seiten; erscheint Herbst 2002)

Wolfgang Meixner < Ing. Friedrich Reitlinger - Bruchstücke einer verdrängten Biographie > in: Thomas Albrich (Hrsg.), „Wir lebten wie sie…“. Jüdische Lebensgeschichten aus Tirol und Vorarlberg, Haymon-Verlag Innsbruck 1999 (2. Auflage 2000), S. 85-110

Wolfgang Meixner < "Arisierung" eines Tiroler Industriebetriebes - die Jenbacher Berg- und Hüttenwerke Th. & J. Reutlinger > in: Geschichte und Region/Storia e regione 8. Jahrgang, 1999 – anno VIII, 1999, Jahrbuch der Arbeitsgruppe Regionalgeschichte Bozen, Annuario del Gruppo di ricerca per la storia regionale, Bolzano, S. 143 – 198

Wolfgang Meixner < „Arisierung“ der Tiroler Industrie am Beispiel der Jenbacher Berg- und Hüttenwerke sowie des Metallwerkes Plansee, >in: Österreich in Geschichte und Literatur mit Geographie 45 (2001) Heft 5/6, S. 313-329

Horst Schreiber < Das Schicksal der Schwager Juden > in: Alexander / Schreiber (Hrsg.): „Schwaz. Der Weg einer Stadt, 1999“ – http://www.horstschreiber.at/texte/texte_das-schicksal-der-schwazer-juden

Quelle:

Wikipedia – Friedrich Reitlinger

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