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SILLGASSE - Synagoge |
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Die Einrichtung der Synagoge im
Stöcklgebäude des Hauses Sillgasse 15, damals Strasse
der Sudetendeutschen, wurde zerstört und dem Hausmeister als
Brennholz übergeben. Die Thorarollen konnten gerettet werden.
In der Sillgasse 15 wohnte die
98jährige Berta Dannhauser, geb. Kleiner,
welche die Stiege hinuntergestossen wurde.
Der Großvater ihres verstorbenen Ehemannes - Abraham Dannhauser (1761/62 - 1819) - war bereits 1809 Opfer von Ausschreitungen der Truppen Andreas Hofers gegen die jüdische Bevölkerung. Auch damals kam es zu Mißhandlungen, wurden Wohnungen zerstört und Geschäfte geplündert.
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März 2010
© Manfred Mühlmann
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Wilhelm Dannhauser wurde am 19. März 1839 als Sohn von Ezechiel Dannhauser (1796 - 1869) und dessen zweiter Frau Regina Neuburger geboren. Die Großfamilie lebte in der Judengasse 107, heute Schlossergasse 15 in Innsbruck. Wilhelm besuchte das Innsbrucker Akademische Gymnasium, gründete 1860 zusammen mit seinem Bruder Jakob ein Weißwarengeschäft, welches bis zum Verkauf des Betriebes 1907 in der Maria Theresien Strasse angesiedelt war. 1865 heiratete er die aus Bayern stammende Berta Kleiner und zusammen mit den vier Kindern zogen sie in das Haus in der Sillgasse 15.
Die beiden Töchter Regina und Helene heirateten nach Wien und kehrten nach dem Tod ihrer Ehemänner nach Innsbruck zurück. Karl wanderte in die Vereinigten Staaten aus, während Emil 1907 im Alter von 38 Jahren starb.
Am 5. Juni 1925 feierten Berta und Wilhelm Dannhauser im Kreise der zusammengekommenen Familie Diamantene Hochzeit, wenige Wochen später am 14. August 1925 stirbt Wilhelm Dannhauser im Alter von 86 Jahren. In einem Nachruf in den Innsbrucker Nachrichten wurden seine Verdienste um die Stadt Innsbruck hervorgehoben und "seinem Namen für immer ein Ehrenplatz in der Geschichte unserer Stadt" zugesichert. Er war Gründungsmitglied einer liberalen Partei, jüdischer Gemeinderat von 1872-1896, setzte sich für den Ausbau des Bildungsangebotes ein und war Vorstand des Innsbrucker Turnvereins. Gerade in letzterem war er zunehmend antisemitischer Hetze ausgesetzt und 1894 beschloß er aus dem Verein auszutreten. Als Mitbegründer und Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde setzte er sich für den Bau einer Synagoge und für die Ausübung des jüdischen Religionsunterrichtes ein und protestierte öffentlich gegen die antisemitische Propaganda.
Während Berta Dannhauser am 27. Dezember 1939 und ihre älteste Tochter Regina John am 18. Jänner 1942 in Innsbruck sterben, werden die jüngere Tochter Helene Jäger und der Enkelsohn Rudolf John nach Theresienstadt bzw. Auschwitz deportiert und ermordet. Hermine Dannhauser, geb. Zeisl die Witwe von Emil wird zusammen mit ihrer Tochter Philipine 1941 im Lager Sobibor ermordet. (Achrainer)
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Synagoge
Die Synagoge befand sich seit 1910 in einem Zubau des Gebäudes in der Strasse der Sudetendeutschen und bot Platz für 200 Personen. Die Jahre zuvor traf man sich in einem Betraum im Stöcklgebäude des "Brüllhauses" in der Anichstrasse 7. Pläne zur Errichtung einer neuen Synagoge gab es mehrere, jedoch kam es aus finanziellen Gründen nicht zu einem Neubau. 1917 zählte die Kultusgemeinde 600 Mitglieder in Tirol und Vorarlberg, darunter 400 in Innsbruck.
1914 übersiedelte der Hohenemser Rabbiner Dr. Josef Link nach Innsbruck, wurde zum Rabbiner von Tirol und Vorarlberg ernannt und leitete dieses Amt bis zu seinem Tod am 7. November 1932. Sein Nachfolger war der gebürtige Pole Dr. Elimelech Rimalt. Zum jüdischen Neujahrsfest Rosch Ha-Schana im September 1938 fand der letzte Gottesdienst mit Rabbiner Rimalt statt und im Oktober übersiedelte dieser mit seiner Familie nach Wien. Bereits mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten im März 1938 begannen die Schikanen gegen die Kultusgemeinde und die jüdischen Familien. Nach der Reichspogromnacht im November mussten bis Mittte 1939 fast alle Tiroler Juden den Gau Tirol und Vorarlberg verlassen. Während mindestens zweihundert Tiroler und Vorarlberger Juden das Jahr 1945 nicht erlebten, ist von ca. dreihundert bekannt, dass sie im Ausland oder auch im KZ überlebt haben.

Bombenruinen Häuser Sillgasse 15 und 17 - der Torbogen bildete den Eingang zur Synagoge im Hinterhof, ca. 1943 (a)
1943 wurde das Haus in der Sillgasse bei einem Bombenangriff stark beschädigt und schliesslich abgerissen. Im März 1952 wurde die heutige Kultusgemeinde Innsbruck für Tirol und Vorarlberg neu gegründet und im Jahre 1961 ein Betraum in der Zollerstrasse 1 im Stadtteil Wilten angemietet. 1981 wurde in der Sillgasse ein Gedenkstein mit der Aufschrift: "An dieser Stelle befand sich die Synagoge der Israelitischen Kultusgemeinde Innsbruck. Diese wurde am 10. November 1938 von den Nationalsozialisten zerstört" angebracht. Der Entwurf des heutigen Gebäudes stammt von Hubert und Michael Prachensky und die neue Synagoge wurde im März 1993 eingeweiht. Über dem Eingang steht in hebräischer Inschrift "Baut mir dieses Haus, und ich werde darin wohnen". Seit 1986 ist Dr. Esther Fritsch Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde für Tirol und Vorarlberg.

März 2010
© Manfred Mühlmann
Der letzte Rabbiner von Innsbruck Dr. Elimelech Rimalt wurde Mitglied des israelischen Parlaments Knesset und starb 1987 in Israel. Seine Witwe Dr. Wilma Rimalt stiftete einen neuen Toravorhang für die Synagoge.
Im Juni 1997 wurde am Landhausplatz eine Menorah als Mahnmal für die ermordeten Juden in der Reichspogromnacht am Landhausplatz errichtet und von Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg eingeweiht.
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| Literatur: |
Martin Achrainer
- Gemeinderat Wilhelm Dannhauser. Selbstbewusstes Judentum zwischen "deutscher Treue" und politischem Antisemitismus, in: Thomas Albrich (Hg.), "Von Salomon Sulzer bis "Bauer & Schwarz" - Jüdische Vorreiter der Moderne in Tirol und Vorarlberg", Haymon Verlag 2009, S 225-264
- Die Synagoge, in: Gabriele
Rath / Andrea Sommerauer / Martha Verdorfer (Hg.), "Bozen Innsbruck
- zeitgeschichtliche stadtrundgänge", Folio Verlag 2000, S 104
- 108
Ingrid Böhler
- Der
"Landesrabbiner": Dr. Josef Link und seine Familie, in: Thomas
Albrich (Hg.), „Wir lebten wie sie...“. Jüdische Lebensgeschichten
aus Tirol und Vorarlberg,
Haymon-Verlag Innsbruck 1999, S 27 - 52
Michael Gehler
- Spontaner Ausdruck
des "Volkszorns"?, Neue Aspekte zum Innsbrucker Judenpogrom
vom 9./10. November 1938, in: Zeitgeschichte, 18. Jahr,
Okt. 1990 - Dez. 1991, Heft 1-12
Gretl Köfler
- Tirol und die
Juden, in: Thomas Albrich / Klaus
Eisterer / Rolf Steininger (Hg.) - Tirol und der Anschluss, Innsbrucker
Forschungen zur Zeitgeschichte, Band 3, Haymon Verlag 1988, S. 169-182
- Die "Reichskristallnacht, in: Dokumentationsarchiv des österreichischen
Widerstandes (Hg.) - Widerstand und Verfolgung in Tirol 1934 bis 1945
- Österreichischer Bundesverlag Wien 1984, Band 1, S 448-462
Gerhard Salinger
< Die jüdische Gemeinde in Innsbruck -
Wie in vielen anderen Orten, hatte die Geschichte der Juden in Innsbruck ihre Licht- und Schattenseiten. > http://david.juden.at/kulturzeitschrift/70-75/72-salinger.htm
Horst Schreiber
- Der Völkermord an den Jüdinnen und Juden, in: Horst Schreiber (Hg.), "Nationalsozialismus und Faschismus in Tirol und Südtirol - Opfer . Täter . Gegner", Tiroler Studien zu Geschichte und Politik, Michael-Gaismair-Gesellschaft, StudienVerlag 2008
Gad Hugo Sella
- Die Juden Tirols
- Ihr Leben und Schicksal, Israel 1979
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| Quelle: |
http://david.juden.at/kulturzeitschrift/70-75/72-salinger.htm
http://ikg-innsbruck.at/home_de.php?id=5000
http://en.wikipedia.org/wiki/Elimelekh_Rimalt - Visit 19.01.2010
http://www.ashkenazhouse.org/osterreich/bd11.html
http://www.yadvashem.org/wps/portal/!ut/p/_s.7_0_A/7_0_9E
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| Bildnachweis: |
(a) Quelle Ingeborg Brüll - Besuch 31.12.2010 - Fotograf unbekannt, Montage Mühlmann |
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© 2000 - 2011 Manfred Mühlmann
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