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GÄNSBACHERSTRASSE - Stadtteil Saggen |
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Karl und Alice Bauer geb. Klein wohnten mit ihren Kindern Alois und Gerda in der Gänsbacherstrasse 4. Karl Bauer war Mitbesitzer
des Kaufhauses "Bauer und Schwarz", heutiges "Kaufhaus
Tyrol". Er wurde in seiner Wohnung überfallen, schwer
verletzt und in den Morgenstunden in die Klinik eingeliefert. Er überlebte
noch zwanzig Jahre, hatte aber an den Verletzungen schwer zu leiden.
Die Sparkasse der Stadt
Innsbruck kaufte das Haus und überließ es der SS als Sitz des SS-Abschnittes
XXXVI.
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Jänner 2008
© Thomas Kleissl
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Seit 1935 bewohnten Ing. Richard und Margarethe Graubart, geb. Hermann mit ihrer viereinhalbjährigen Tochter Vera Evelyne den ersten Stock ihrer Villa in der Gänsbacherstrasse
5. Im Erdgeschoss lebten Dr. Wilhelm Bauer, seine Frau Edith, geb. Hohenberg und ihre zwei Kinder Thomas und Eva.
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November 2008
© Thomas Kleissl
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Edith
Bauer, geb. Hohenberg (b) |
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In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurden Wilhelm Bauer und Richard Graubart durch mehrere Messerstiche
ermordet. Die Gestapo verhinderte eine Obduktion der Leichname und befahl eine Überführung zur Einäscherung nach München. Ein Bruder von Richard, Alfred Graubart wurde in seiner Wohnung am Haydnplatz 8 schwer misshandelt. Die Mutter von Wilhelm, Flora Bauer und der Bruder Stefan wurden in jener Nacht in der Andreas Hofer Strasse 40 überfallen und verletzt.
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Richard
Graubart (e) |
Richard Graubart wurde als Sohn von Sofie und Simon Graubart geboren und lebte zusammen mit seinen Brüdern Siegfried und Alfred in der Museumstrasse 8, wo der Vater das "Schuhgeschäft Graubart" führte. Er überlebte als 17jähriger Soldat den Ersten Weltkrieg und heiratete im Juli 1931 Margarethe Hermann, deren Eltern Wilhelmine und Alois Hermann in der Leopoldstrasse 28 wohnten. Mit seinem Bruder Alfred führte er nach dem Tod des Vaters das Schuhgeschäft weiter.
Vor der für den 12. November 1938 geplanten Zwangsumsiedlung nach Wien, machten Richard Graubart und die Brüder Stefan und Wilhelm Bauer am Tag vor der Pogromnacht eine Bergtour. |
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Am 28. November 1938, nur wenige Tage nach dem Überfall, flüchteten die zwei Witwen Margarethe Graubart und Edith Bauer mit ihren Kindern nach Wien, wo Edith bei Verwandten unterkam und Margarethe auf ihre im Oktober 1938 zwangsumgesiedelten Eltern traf. Diese hatten die "Reichskristallnacht" in Wien mit- und überlebt. Der 17jährige Tommy Bauer, seine 16jährige Schwester Eva und Vera Graubart kamen über einen Kindertransport im März 1939 nach London, wohin Margarethe im Juli 1939 flüchten konnte. Edith Bauer emigrierte mit ihren Kindern nach Kanada, wo Eva Bauer eine Vermählung mit Ernst Dimand einging und am 1. April 2010 in Toronto verstarb.
Die "Villa Graubart" wurde am 29. März 1939 vom Generaldirektor der Innsbrucker
Stadtwerke Gauhauptstellenleiter Otto Wurmhöringer gekauft, einem früheren Nachbarn von Alfred und Maria Graubart. Die arisierte
Wohnung der Familie Graubart wurde drei Monate später dem
damaligen Bürgermeister von Innsbruck, ehemaligen Landeshauptmann
und Gauleiter der NSDAP Tirol Edmund Christoph als Bürgermeisterwohnung
zuerkannt.
Margarethe Graubart kehrte nach dem Krieg wieder nach Innsbruck zurück, bemühte sich um Rückstellungsverfahren des Wohnhauses und Betriebes ihrer Eltern und bezog 1954 eine Wohnung in der Villa Graubart. Nach dem Verkauf des Hauses im Jahr 1996 lebte sie bis zu ihrem Tod am 21. November 2002 bei ihrer Tochter Vera in England.
Auch die Familie von Edith Hohenberg zählte zu den Opfern des Nationalsozialismus - so wurde die Mutter Katharina Hohenberg im Jänner 1942 nach Riga deportiert und dort ermordet, der Bruder Egon Hohenberg kam im Juni 1942 in Zamo?? bei Lublin und dessen Frau Nelly Schwarz im Jänner 1945 im deutschen KZ Stuffhof ums Leben.
Die Fotos der Familie Wilhelm und Edith Bauer wurden mir von Katarina Hohenberg-Stahre zur Verfügung gestellt, wofür ich ihr sehr dankbar bin. Am 14. Jänner 2002 schrieb sie ins Gästebuch:
"Most interesting site. Me myself is the granddaughter of Edith Hohenbergs brother Egon from Vienna. I´ve pictures of Wilhelm "Willy" Bauer and their children. I´m willing to share these if someone is interested."
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| Literatur: |
Christoph W. Bauer
- Graubart Boulevard, Haymon Verlag Innsbruck-Wien 2008
Horst Christoph
- Der vergrabene
Ehrendolch - Leben in einer nationalsozialistischen Familie, in: profil Nr. 10,
7. März 1988, S 86 ff
Michael Gehler
- Spontaner Ausdruck
des "Volkszorns"?, Neue Aspekte zum Innsbrucker Judenpogrom
vom 9./10. November 1938, in: Zeitgeschichte, 18.Jahr,
Okt.1990-Dez.1991, Heft 1-12
Gretl Köfler
- Die "Reichskristallnacht", in: Dokumentationsarchiv des österreichischen
Widerstandes (Hg.) - Widerstand und Verfolgung in Tirol 1934 bis 1945
- Österreichischer Bundesverlag Wien 1984, Band 1, S 448-462
Horst Schreiber
- Nationalsozialismus und Faschismus in Tirol und Südtirol - Opfer . Täter . Gegner, Tiroler Studien zu Geschichte und Politik, Michael-Gaismair-Gesellschaft, StudienVerlag 2008
- Jüdische
Geschäfte in Innsbruck - Eine Spurensuche, Projekt
des Abendgymnasiums Innsbruck; Tiroler Studien zu Geschichte und Politik
1, Michael-Gaismair-Gesellschaft (Hg.) , StudienVerlag
2001, S 55-56
- Die "Arisierung" der Innsbrucker Firma Alois Hermann, in: Tiroler Heimat, Band 64, 2000, S 237-258
Gad Hugo Sella
- Die Juden Tirols
- Ihr Leben und Schicksal, Israel 1979
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| Bildnachweis: |
(a, b, c, d) © Privatbesitz Katarina Hohenberg-Stahre
(e) Leihgabe ©
DOEW
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| Quellen: |
Ron Bower - diverse Emails
Katarina Hohenberg-Stahre - diverse Emails |
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© 2000 - 2012 Manfred Mühlmann
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